Ein spontaner Besuch beim Hersteller unserer Kraftpakete und ein schöner Empfang in Budapest.
Das Aufstehen fällt uns in der Frühe heute weniger schwer. Die
vorbeifahrenden Züge haben also auch ihre positiven Seiten! Wiederum
der Donau entlang, fahren wir in Richtung Budapest. Die Donau hat jetzt
fast die Breite des halben Murtensees, und beim Hochwasser, das zurzeit
herrscht, ist es imposant, den Fluss in seinem Talwärtsgang zu
beobachten.

Ein Halt in einem Supermarkt gibt uns die Möglichkeit eines Frühstücks,
um dann die letzten Kilometer unter die Räder nach Budapest zu nehmen.
Vom Strassenrand aus sehen wir die Sanyofabrik, Hersteller unserer
Nickel-Metallhydrid Batterien (NiMH) und beschliessen spontan, schnell
hineinzuschauen. Der Direktor sei in Sitzung, wird uns beschieden. Doch
man wolle sehen, was sich machen liesse. Nicht gerne zwar, doch
immerhin. Nach zehn Minuten erscheint der japanische Direktor
freudenstrahlend, dreht eine TWIKE-Runde und beglückwünscht uns. Später
erhalten wir von ihm eine eMail, in welchem er uns "Dreamrealisizer"
nennt, und sein Assistent schreibt einen begeisterten Zusatz, endlich
sei das echte Leben für Minuten in die Batteriefabrik eingekehrt. Denn
wenn man wisse, wozu die Produkte dienen können, sei die Arbeit
leichter und auch voller Spannung!

Mit stolz gewölbten Köpfen fahren wir Budapest zu, wo wir zum Glück
einen Lotsen haben, der uns durch die Strassenwirrnis zur
Schweizerischen Botschaft führt. Pünktlich auf die Minute treffen wir
dort ein, vier Fernsehstationen, Radioreporter und
Zeitungsberichterstatter erwarten uns. Fragen beantworten, Probe fahren
mit sperrigen Kameras im Schlagloch-Walzer-Takt. Die Strassen Budapests
sind wirklich ein Härtetest und wir fragen uns, ob Aufhängungsfirmen
hier ihr Testgelände betreiben. Noch jetzt fühlt ihr Berichterstatter
die Schläge im Rücken! Der Piloten Geschicklichkeit ist gefordert und
höchste Konzentration für spontane Loch-Ausweichmanöver ist angesagt!
Nach einer guten Stunde Frage- und Antwortspiels, Interviews und
bewundernder Blicke geht's in die Residenz des Botschafters, in welcher
unserem Vertreter in Ungarn, Botschafter Salamin, eine Flasche
Donauquellwasser von unserem Team übergeben wird.


Ein herrliches Buffet, garniert mit weiteren Interviews, belohnt unsere
Pedaliermühe des Vormittags. Die Journalisten gehen dann zurück zu
ihrer Arbeit und unser Team trocknet die Zelte vor der Botschaft, legt
die Matten für eine Siesta aus, als seien wir an einem Sit-in. Welch
ein Bild!

Das Medieninteresse in Ungarn ist riesig, was wir bei der Weiterfahrt
auch gleich bemerken, denn hatten wir vorher neugierige Blicke
eingesammelt, werden wir jetzt angehupt, mit Scheinwerferzwinkern
gegrüsst, am Strassenrand winken die Menschen... Ich habe das Gefühl,
an der Tour de Suisse mitzufahren! So herzlich begrüsst zu werden, tut
unseren müden Beinen gut und kompensiert die Hitze, die an diesem
Nachmittag schweisstreibend uns begleitet. Nach Besichtigung weniger
Sehenswürdigkeiten Budapests mit unserem bewährten Lotsen machen wir
vor dem "Intercontinental Budapest" am Hafen einen kleinen Halt, was dem
Chefportier gar nicht behagt. Unsere TWIKE-ROYCE sind, so denke ich,
für ihn gar zu schmal! Fünf Minuten werden uns zugestanden, dann geht
es weiter Richtung Süden, der Grenze Serbiens zu. Unterwegs ein
Glacé-Halt, und Energieriegel peppen uns auf, um am Campingplatz an der
Donau dann von Mückenschwärmen wärmstens bis aufs Blut begrüsst zu
werden! Schnell sind die Zelte aufgebaut und die Technikcrew verstärkt
die Federung mit vier Fünfranken-Stücken, welche genau die Breite
haben, die benötigt wird! Gut, dass manchmal Münz vorhanden ist – und
das in der notwendigen Dicke!

Ein herrliches Nachtessen mit Bier und Wein wiegt uns in den Schlaf,
hier am Donauufer ist es still. Es singen nur die stummen Fische... (François Loeb)
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