Tag 8 - von Komárom nach Dunaföldvár (15. Juli) Drucken E-mail
Geschrieben von: Michael Schoch   
Ein spontaner Besuch beim Hersteller unserer Kraftpakete und ein schöner Empfang in Budapest.

Das Aufstehen fällt uns in der Frühe heute weniger schwer. Die vorbeifahrenden Züge haben also auch ihre positiven Seiten! Wiederum der Donau entlang, fahren wir in Richtung Budapest. Die Donau hat jetzt fast die Breite des halben Murtensees, und beim Hochwasser, das zurzeit herrscht, ist es imposant, den Fluss in seinem Talwärtsgang zu beobachten.



Ein Halt in einem Supermarkt gibt uns die Möglichkeit eines Frühstücks, um dann die letzten Kilometer unter die Räder nach Budapest zu nehmen.
Vom Strassenrand aus sehen wir die Sanyofabrik, Hersteller unserer Nickel-Metallhydrid Batterien (NiMH) und beschliessen spontan, schnell hineinzuschauen. Der Direktor sei in Sitzung, wird uns beschieden. Doch man wolle sehen, was sich machen liesse. Nicht gerne zwar, doch immerhin. Nach zehn Minuten erscheint der japanische Direktor freudenstrahlend, dreht eine TWIKE-Runde und beglückwünscht uns. Später erhalten wir von ihm eine eMail, in welchem er uns "Dreamrealisizer" nennt, und sein Assistent schreibt einen begeisterten Zusatz, endlich sei das echte Leben für Minuten in die Batteriefabrik eingekehrt. Denn wenn man wisse, wozu die Produkte dienen können, sei die Arbeit leichter und auch voller Spannung!



Mit stolz gewölbten Köpfen fahren wir Budapest zu, wo wir zum Glück einen Lotsen haben, der uns durch die Strassenwirrnis zur Schweizerischen Botschaft führt. Pünktlich auf die Minute treffen wir dort ein, vier Fernsehstationen, Radioreporter und Zeitungsberichterstatter erwarten uns. Fragen beantworten, Probe fahren mit sperrigen Kameras im Schlagloch-Walzer-Takt. Die Strassen Budapests sind wirklich ein Härtetest und wir fragen uns, ob Aufhängungsfirmen hier ihr Testgelände betreiben. Noch jetzt fühlt ihr Berichterstatter die Schläge im Rücken! Der Piloten Geschicklichkeit ist gefordert und höchste Konzentration für spontane Loch-Ausweichmanöver ist angesagt! Nach einer guten Stunde Frage- und Antwortspiels, Interviews und bewundernder Blicke geht's in die Residenz des Botschafters, in welcher unserem Vertreter in Ungarn, Botschafter Salamin, eine Flasche Donauquellwasser von unserem Team übergeben wird.





Ein herrliches Buffet, garniert mit weiteren Interviews, belohnt unsere Pedaliermühe des Vormittags. Die Journalisten gehen dann zurück zu ihrer Arbeit und unser Team trocknet die Zelte vor der Botschaft, legt die Matten für eine Siesta aus, als seien wir an einem Sit-in. Welch ein Bild!



Das Medieninteresse in Ungarn ist riesig, was wir bei der Weiterfahrt auch gleich bemerken, denn hatten wir vorher neugierige Blicke eingesammelt, werden wir jetzt angehupt, mit Scheinwerferzwinkern gegrüsst, am Strassenrand winken die Menschen... Ich habe das Gefühl, an der Tour de Suisse mitzufahren! So herzlich begrüsst zu werden, tut unseren müden Beinen gut und kompensiert die Hitze, die an diesem Nachmittag schweisstreibend uns begleitet. Nach Besichtigung weniger Sehenswürdigkeiten Budapests mit unserem bewährten Lotsen machen wir vor dem "Intercontinental Budapest" am Hafen einen kleinen Halt, was dem Chefportier gar nicht behagt. Unsere TWIKE-ROYCE sind, so denke ich, für ihn gar zu schmal! Fünf Minuten werden uns zugestanden, dann geht es weiter Richtung Süden, der Grenze Serbiens zu. Unterwegs ein Glacé-Halt, und Energieriegel peppen uns auf, um am Campingplatz an der Donau dann von Mückenschwärmen wärmstens bis aufs Blut begrüsst zu werden! Schnell sind die Zelte aufgebaut und die Technikcrew verstärkt die Federung mit vier Fünfranken-Stücken, welche genau die Breite haben, die benötigt wird! Gut, dass manchmal Münz vorhanden ist – und das in der notwendigen Dicke!



Ein herrliches Nachtessen mit Bier und Wein wiegt uns in den Schlaf, hier am Donauufer ist es still. Es singen nur die stummen Fische... (François Loeb)

 
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