Tag 10 - von Vukovar nach Novi Sad (17. Juli) Drucken E-mail
Geschrieben von: Michael Schoch   
Wunderbarer Empfang durch den Rotary Club Novi Sad! Vielen Dank!

Viel zu früh für uns alle, die Hochzeit dauerte bis in den frühen Morgen und es ergab sich da ein Gespräch und dort ein Bier, fahren wir nach einem kräftigen Frühstück Richtung Serbische Grenze. Warnschilder am Strassenrand begleiten uns, welche auf die tödliche Gefahr von Minen hinweisen. Grosse Gebiete scheinen auch 10 Jahre nach dem Krieg nicht geräumt. Wir fahren an den ersten Ruinen und ausgebrannten Häusern vorbei, das Zentrum von Vuckovar sieht noch heute schlimm aus. Nie mehr kann man da nur sagen... wie unsinnig Krieg doch ist!



Über fruchtbare Felder neben denjenigen der Minen geht's der Donau entlang Richtung Grenzbrücke. Wir fahren über die weite Donau, am Brückenkopf der kroatische Grenzposten, auf der anderen Seite der Serbische und die nehmen es sehr genau. Erstmals wird der grüne Versicherungsausweis verlangt. Oh Schreck, zwei Fahrzeuge können den Schein nicht finden, wir haben ja auch viel Gepäck und all die Ersatzteile im Wagen! Doch auch Ausräumaktionen bringen nichts und es bleibt unseren Gastgebern, dem Rotary Club Novi Sad, welche uns an der Grenze erwarten, nichts anderes übrig, als einen Versicherungsagenten zu Hilfe zu rufen, welcher Versicherungsscheine, wohlverstanden nur für Serbien, zu einem stolzen Preis ausstellt! Wir werden die grünen Karten sicher noch finden, oder uns Ersatzkarten durchfaxen oder mailen lassen!



Nach der Grenze ist das Haus von Dr. Zavisic ein Beispiel serbischer Gastfreundschaft, wir werden mit einem Apéro im herrlichen Garten seines Heims verwöhnt und auch unsere TWIKE erhalten eine kurze Zwischenverpflegung vor der 45 Kilometer langen Fahrt nach Novi Sad. Das Lokalfernsehen begleitet uns zum Bürgermeister des Orts, wir tauschen Geschenke aus und Alphornklänge erfüllen wohl erstmals den Saal des Gemeinderates.



Schon geht es weiter ans Donauufer, wo eine köstliche Fischsuppe uns erwartet, welche sich mit einer Bouillabaisse nicht nur messen kann, sondern diese übertrifft! Gebackener Donaufisch rundet das Mahl, begleitet von einer Zigeunermusik, dann ab. Die Donau hat einen hohen Wasserstand und fliesst kräftig dem Schwarzen Meer zu, die Schiffahrt ist spärlich, da in Novi Sad eine Pontonbrücke nur wenige Stunden in der Woche geöffnet werden kann. Umso mehr ist die Flusslandschaft ein Naturparadies, in welchem sich zahlreiche Fische tummeln und Wasservögel ihre Heimat finden.



Vom Mittagsmahl, wir treten zur Verdauung trotz der Hitze kräftig in die Pedale, geht's nach Novi Sad, der Provinzhauptstadt der Woiwodina, welche einst zur K+K-Monarchie gehörte. Am Donausandstrand erwarten uns das Fernsehen und die Medien. Es ist Sonntagmittag, tausende von Novi Sadern suchen das kühle Nass der Donau, in welchem auch kurz danach die TWIKE-Mannschaft die Erlösung von der Hitze und dem Schweiss findet! Vom Strandbad mit Sandstrand sieht man auf die stillgelegte Brücke über die Donau, welche noch 10 Jahre nach Abschluss des Krieges sich in Reparatur befindet. Für alle Serben, mit denen wir sprechen, ist die Unsinnigkeit des Konfliktes heute klar und die Erkenntnis, dass der damalige Diktator das Land mit Propagandamitteln in den unsinnigen Konflikt führte, wird immer wieder bestätigt. Der Krieg ist für alle Einwohner noch so stark in Erinnerung, dass kaum ein Gespräch vergeht, ohne auf diesen einzugehen.



Nach dem erquickenden Bad werden wir durch Novi Sad geführt, besuchen die grosse Synagoge und eine serbisch-orthodoxe Kirche, die Altstadt, mit Fassaden aus dem 18. und 19. Jahrhundert und den Stadtpark, wo im künstlichen See eine kleine Insel mit einer weinenden Trauerweide an Sissi, die Kaiserin, erinnert, ein Bauwerk der Novi Sader aus jener Zeit, um die beliebte Königin zu verewigen. Ein Schwanenpaar bevölkert jetzt die Insel mit seinen Jungen, eine Anspielung an Schwanensee! Erneut geht es nach einem Abstecher im Hause eines Rotariers zum Donauufer, wo in ausgelassener Stimmung ein fröhliches Beisammensein mit den Rotariern, deren Gastfreundschaft einmalig ist, den Tag ausklingen lässt. Wieder ist der Blick auf die diesmal nächtlich glitzernde Donau gerichtet, welche das Leben hier in der Stadt so stark bestimmt. (François Loeb)



 
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