Tag 11 - von Novi Sad nach Belgrad (18. Juli) Drucken E-mail
Geschrieben von: Michael Schoch   
Eine kurze Etappe, aber ein langer Aufenthalt in Belgrad mit viel Presse!

SMS von Michael am 18. Juli um 19:32
"Wir sind auf fernseh und radio und internet B 92 in belgrad. Schau mal. Und gleich kommt noch mehr... Mega programm und immer mit alphorn. Grüsse es ist heiss"

Die Fahrzeuge, welche vor unseren Motel-Bungalows parken, werden schon früh beladen, doch bedarf es noch einiger Zeit, bis die Sandköner aus unseren Augen Abschied nehmen. Die Fahrt geht durch Novi Sad, erneut stellen wir die Macht des Fernsehens fest, man kennt uns, blinkt uns zu, winkt uns. In einem malerischen Dorf, das Zentrum der serbisch-orthodoxen Kirche, wollen wir mit einem starken Kaffee unsere Lebensgeister wecken, doch ist wegen Bauarbeiten (die Bautätigkeit in Serbien ist zurzeit äusserst intensiv) das Wasser abgestellt. Kalten NESCAFÉ wollen wir dann doch nicht, so decken wir uns mit Brötchen, Brezeln und süssen Schnecken ein und fahren, von den Rotariern mit grossem Dank uns verabschiedend, weiter Richtung Belgrad der alten Landstrasse nach. Diese führt entlang der neu gebauten Autobahn. Nun, wir wären wohl besser auf die Autobahn, ein TWIKE darf ja dort fahren, denn was uns erwartet ist eine Schüttelpartie, die sich gewaschen hat.



Pummdipummdipumm geht es von Strassenriss zu Strassenriss, die Geschwindigkeit sinkt auf 35 bis 40 Km/h und trotzdem schmerzt uns jeder Schlag! Slalomkünste sind gefragt, und wir wähnen uns auf den Geschicklichkeits-Weltmeisterschaften für TWIKE-Piloten! Doch auch das Schütteln geht mal vorbei und so fahren wir erlöst Richtung Belgrad, wo uns am Stadtrand ein Lotse erwartet. Übrigens zeigte die Langsamfahrt, dass bei dieser Geschwindigkeit die Reichweite der neuen Batterien sich auf 165 Kilometer erhöht!



Dann geht es los... Zuerst zu Herrn Ivanovic, der eine grosse Garage betreibt, wo uns ein Brunch erwartet und die Unterkunft in zwei klimatisierten Wohnwagen, welche für Pannenkunden zur Verfügung steht, wenn die Garage auf Ersatzteile wartet. Dann zur grössten Fernsehstation Belgrads, Aufnahmen in jeder Form, zu zweit und dritt, Parallelfahrten, Rückspiegelfahrten, Slalomfahrten, welche wir ja zur Genüge heute früh geübt haben! Wir besichtigen nach getaner Arbeit das Studio, führen spannende Gespräche mit einem leitenden Angestellten, der uns von einer kürzlichen Bombendrohung gegen den Sender berichtet, weil diese die Massengräber der Kriegsgräuel zeigte. Dieser Sender war auch massgeblich am Sturz Milosevics beteiligt, einzig während des Krieges konnte er der Zensur wegen seinen journalistischen Objektivitätszielen nicht nachkommen.



Auf geht's in das grösste Donaustrandbad Belgrads, wo auf einer Schaubühne Michael seine hervorragenden Alphornkünste zum Besten gibt und wir uns anschliessend an Getränken laben. Übrigens: Wir trinken im Tag sicher gegen vier Liter, bei dem Schweissverbrauch eine unbedingte Notwendigkeit! Weiter zur von der Schweizer Botschaft organisierten Medienkonferenz unter einer Donaubrücke. Über 20 Medienvertreter sind da, darunter vier TV-Stationen, und unsere Pedale laufen bei Probefahrten heiss. In der Zwischenzeit sind unsere tüchtigen Mechaniker zu uns gestossen, sie haben in der Zwischenzeit in der Garage die Servicearbeiten an den TWIKE durchgeführt, erwarten uns doch weitere 900 Kilometer durch Rumänien und Bulgarien, wo wir auf den Nebenstrassen nicht die besten Strassenverhältnisse erwarten...



Unser Wissensstand über die verheerenden Überschwemmungen, welche den Osten Rumäniens und Bulgariens heimsuchten, ist gering, wir vernehmen einzig, dass das Wasser am sinken ist. Eingeladen von Herrn Ivanovic (die Gastfreundschaft der Serben übersteigt alles, was wir bisher erlebten) besteigen wir ein Donauboot und geniessen eine dreistündige Kreuzfahrt durch das abendliche Belgrad, begleitet von Alphornklängen, welche die Ufergäste begeistern! Der anschliessende, einmal mehr der riesigen Gastfreundschaft von Herrn Ivanovic zu verdankende, Zanderschmaus ist erst gegen ein Uhr früh beendet, und da des Berichterstatters TWIKE der intensiven Probefahrten wegen keinen Strom mehr hat, wird das nach Hause-Fahren zum Wohnwagen eine nächtliche Tretorgie, welche mich schweisstriefend dem TWIKE entsteigen lassen! (François Loeb)



 
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