| Tag 13 - von Dubova nach Vidin (20. Juli) |
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| Geschrieben von: Michael Schoch | |
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Langsam aber sicher kommen wir in Gebiete, wo wir nicht nur das Essen nicht kennen, sondern auch die Schrift... Sechs Uhr ist arg früh! Und doch sind schon alle munter! Die TWIKE werden vom Ladeplatz von Brigitte direkt vor das Hotel gefahren. Wir werden echt verwöhnt! Die Fahrt geht pünktlich los, jetzt der Donau entlang, welche sich hier von sechs Kilometern Breite auf 90 Meter verschmälert, dafür aber 60 Meter tief wird! Hier laichten vor der Erbauung der Staumauern die Störe (Kaviarfische), da am Boden dieses natürlichen Beckens, dessen Grund übrigens unter dem Meeresspiegel liegt, spitze Steine liegen, an denen die bis 500 Kilogramm schweren Fische ablaichen. Noch heute sucht diese Art den Zugang zu seinen Laichplätzen und kann ihn, der menschlichen Bauwerke wegen, nicht finden... An einer Donaufestung vorbei, wo wir einen Fotohalt einlegen, geht es weiter steil bergan zu einem herrlichen Aussichtspunkt, von welchem aus wir ein Donaukreuzfahrtschiff beobachten können. Welch einmaliger Anblick bietet diese Donaulandschaft! Uns stockt darob der Atem. Wie hat sich der Strom tief in die Felsen eingefressen! Beim Weiterfahren wähnen wir uns beinahe am Brienzersee, Tunnel durchdringen Felsvorsprünge, in ihnen ist es dunkel, als seien wir in des Walfischs Bauch. Unsere Augen haben Mühe sich anzupassen, obwohl das unbedingt erforderlich wäre: das Gewitter von letzter Nacht hat Steine, Sand und Wasserlachen auch in den Tunnels zurückgelassen. Langsame Fahrt ist angesagt! Ausserhalb des Dunkels, an der erneut strahlenden Sonne, erkennen wir die Hindernisse besser, doch deren Häufung führt zum einen oder anderen unfreundlichen steinernen Kontakt. Doch wir haben Glück, es geht alles ohne jeden Schaden vorüber. Wie gut, haben wir gestern Abend die Fahrt nicht fortgesetzt! Die Schlaglöcher zwingen uns zudem zu Slalomfahrten. Jeder Pilot sucht seine ideale Linie, doch auch da zeigen heftige Rumpler manchmal das Abkommen von der Vorstellung! Ich denke, unser Namen nach dieser Fahrt könnte "Les Slalomisti" heissen, in Abwandlung von "Il Salonisti". Immer wieder staunen wir aber der Ausblicke wegen, die sich auf die Donau öffnen. Sie entschädigen uns für die wilde Fahrt! Übrigens ist TWIKE-fahren eine Kombination von Reiten, Biken und Boarden auf der Strasse, es erfüllt immer wieder jeden, welcher sich dem TWIKE verschreibt! Die erste Ladestation ist in Donj Milanovac, einem Kurort am Donauufer, an welchem wir uns gleich heimisch fühlen! Der Bürgermeister höchstpersönlich empfängt uns, das Lokalfernsehen ist da und wir erfahren, dass bereits vor 11'000 Jahren Menschen hier wohnten und herrlichste Kulturgüter hinterlassen haben. Hier im Ort liessen sich herrliche Ferientage (Hotel Lepenski Vir) bei Wassersport und Kulturgenuss verbringen, der Berichterstatter nimmt es sich für die Zukunft vor. Wir werden zum Frühstück eingeladen, der Kaffee wird gleich kredenzt, doch das Gebäck lässt noch auf sich warten, bis wir erfahren, dass der Bäcker nur für uns erneut am Backen ist! Bei der Abfahrt erhält jeder TWIKER ein Brunchpaket mit feurig heissen herrlichen Köstlichkeiten, welche jedoch im Fahrtwind rasch abkühlen und nicht allzu lange Zeit vergeht, bis der Heisshunger der TWIKER den Kunstwerken des Bäckers den Garaus bereiten. Erneut huschen unsere Fahrzeuge geräusch- und abgasfrei über Hügel, den serbischen Donauauen entlang. Es wird wieder schweisstreibend heiss, und alle sind erleichtert, als wir in Kladovo einen Mittagshalt einschalten. Der Direktor des Tourismusbüros erwartet uns bei der riesigen Staumauer, und wir besichtigen mit ihm die römische Festung "Diana" aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. Zahlreich sind die jungen Menschen, welche an den Ausgrabungen arbeiten. Die reichen Funde können wir später im Museum von Kladovo besichtigen. Welch hohe Kultur hatten die Römer entwickelt! Welch wunderbare Skulpturen, Schmuckstücke, kunstvoll gestaltete Haushaltsgegenstände können wir auch hier bewundern! Ein Bad in der Donau während des Ladehaltes kühlt uns ab, denn wir wollen bis nach Vidin in Bulgarien fahren und dort übernachten. Nach dem dreistündigen Halt (es ist übrigens einer der Zauberschlüssel des TWIKENS, nach dreistündiger Fahrt drei stunden zu rasten, Menschen zu begegnen – kurzum statt zu rasen zu reisen wie es früher der Fall war) setzen sich die Piloten erneut hinter ihren Joystick und fahren über eine Schlaglochstrasse, welche sich gewaschen hat, zur bulgarischen Grenze. Dort verabschieden wir uns von unseren serbischen Begleitern, welche uns Gastfreundschaft angedeihen liessen, die uns unvergesslich bleiben wird! Ein riesengrosses MERCI euch allen, rufen wir euch durch diese Zeilen zu! Bei der serbischen Grenze sind wir rasch ausgereist, überqueren die Grenzbrücke und kommen zu einem Desinfektionsbecken für die Reifen, durch welches wir zu fahren haben. Ein Stopp zur Kontrolle der Wassertiefe zeigt an, dass die Batterien bei Langsamstfahrt dabei nicht betroffen werden, und so werden die TWIKE-Reifen erstmals in ihrem Leben entkeimt! Ja, dann folgen Formalitäten, der Grenzübertritt erfolgt problemlos, doch brauchen wir dazu geschlagene 45 Minuten! Nun: Zeit zu haben ist ein Luxus, den wir uns auf dieser Reise ausgiebig gewähren, und jeder TWIKER träumt vor sich hin, während Grenzbeamte uns im Bild festhalten. Ihr Interesse an unseren Fahrzeugen ist gross. Eine weitere Stunde "verlieren" wir durch die einstündige Zeitverschiebung an der Grenze. Es ist jetzt bereits gegen 20 Uhr Ortszeit. Los geht's Richtung Vidin, die Landschaft wird karger, Pferde grasen am Strassenrand, Eselkarren ziehen ihres Weges, mit staunenden Augen werden wir betrachtet. Am Donauufer mitten in Vidin finden wir eine gute Unterkunft und wie immer bekommen (wie früher die Pferde) unsere TWIKE einen Stromanschluss, erst dann können die TWIKER sich erfrischen. Umgezogen ziehen wir durch die Strandpromenade, es ist bereits 22 Uhr, und lassen uns mit wohlschmeckendsten bulgarischen Spezialitäten verwöhnen. Die Preise sind für uns umwerfend günstig: Ein Nachtessen kostet umgerechnet drei €, ein Humpen (5 Deziliter) bestes Bier 50 Cents! In Vidin gibt es kaum Touristen, gottseidank haben die in kyrillischer Schrift geschriebenen Speisekarten Bilder. Wie leseunfähige Kinder wählen wir unsere Gerichte... Und wieder sinken wir in tiefsten Schlaf. Wie erholsam ist doch das TWIKEN, wir sind alle schon gebräunt als seien wir am Strand gelegen – dabei aber topfit! (François Loeb)
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