Tag 14 - von Vidin nach Turnu Magurele (21. Juli) Drucken E-mail
Geschrieben von: Peter Zeller   
Grenzerfahrungen zwischen Bulgarien und Rumänien

Gestern beschrieb ich die Art mit welcher TWIKEN verglichen werden kann. Beim Aufwachen heute früh fand ich die beste Definition des Fahrgefühls: "FLIEGEN MIT BODENHAFTUNG" kommt der Sache am nächsten!! Den Steuerknüppel fest in der Hand, die Glaskuppel mit der fantastischen Rundsicht, die Kommandos per Druckknopf, ja, die Beschreibung kommt dem TWIKEN am nächsten!

Frühmorgens geht es weiter von Vidin der Donau entlang. Alle Strassenschilder sind jetzt nur noch auf Kyrillisch angeschrieben, was dazu führt, dass unser Leitfahrzeug nach 15 km in einer Sackgasse landet und wir den Weg zurück unter die Räder nehmen müssen. Doch der Umweg hat sich mehr als gelohnt! Die idyllische Strasse, die kleinen Dörfer, Eselskarren und Tausende von weissen Schmetterlingen, welche unsere Windschutzscheibe streifen, versetzen uns in einen Sommertraum, wie es vor Zeiten wohl auch bei uns aussah!



Am Strassenrand wilde Blumen schönster Magerwiesen, wie aus einem Bilderbuch, hie und da eine wilde Sonnenblume, die ihren Kopf neugierig in unsere Richtung streckt. Wieder auf der Hauptstrasse angelangt geht es weiter entlang der Donau, kurz vor Lom, wo wir den Frühstückshalt einlegen, haben wir ein Strassenstück zu bewältigen welches höchste Konzentration erfordert. TWIKEfalle über TWIKEfalle folgen sich in Hundertschaften und wir sind glücklich einen Kilometerschnitt in Fussgängergeschwindigkeit einzuhalten! Um so besser schmeckt das Frühstück an der Strasse, denn der Durst und Hunger sind gross! Die ganze Mannschaft des Supermarkts fährt Probe, die Kunden haben des ausserordentlichen Ereignisses wegen zu warten.

Weiter fahren wir durch das jetzt flachere Land, die Donau blinkt uns immer wieder entgegen. In den Dörfern rennen uns die Hunde nach, bellen und gehen in ängstliche Angriffshaltung. Der Ton des für menschliche Ohren kaum hörbaren Motors scheint sie in Aufregung zu versetzen. Wiederum wird es heiss, der Schweiss fliesst in Strömen und dem mitgebrachten Wasser wird immer wieder zugesprochen. Ladehalt an einer Garage, Mittagspause unter Bäumen und in einer Gastwirtschaft, Mittagsschlaf für die TWIKER die dies wünschen.

Auf gehts dann zur bulgarischen Grenzstation bei der Fähre welche uns nach Rumänien übersetzen wird. Wartezeit. Der eine Grenzbeamte will dies, der andere jenes Dokument, und mit Schreck stellt ein TWIKER fest, dass er seinen Fahrzeugausweis bei der Einreise ins Land irrtümlicherweise nicht zurückerhielt! Aufregung! Durcheinander! Verständigungsprobleme! Kein Ausweis - keine Ausreise... doch der grüne Versicherungschein rettet uns! Hoffentlich sind die Rumänen gnädig, denken wir beim wunderschönen Übersetzen über "unsere" Donau, welche wir nun bereits beinahe zwei Wochen begleiten! Wir fühlen uns bereits im Einklang mit ihr, dem schönen, hier friedlich fliessenden lebensspendenden Strom!

Die rumänischen Grenzbeamten strömen aus ihrem Grenzamtshaus und betrachten mit Interesse unser Gefährt! Pässe werden kontrolliert und - uff - keine Fahrzeugausweise müssen vorgelegt werden, wir können getrost weiterfahren. Doch kaum auf der Strasse - eine Polizeikontrolle, beim ersten Fahrzeug werden die Papiere kontrolliert und wir werden dann vorbeigewunken, die Aufregung legt sich erneut!

Unsere Fahrt nach Turnu Margurele gleicht der Tour de France, am Strassenrand feuern uns in jedem Dorf Dutzende von Menschen an, springen auf die Strasse, rufen uns zu! Zwischen den Orten Eselskarren, Menschen welche sich unter Bäumen ausruhen, Wassermelonenernte, Sammelstellen dieser Früchte für den Export in unsere Länder, Fröhlichkeit, viele lachende Gesichter, Lebensfreude welche ansteckend wirkt! Um 20 Uhr treffen wir in Turnu Margurele beim Bürgermeisteramt ein, werden herzlichst empfangen, der Strom wird bereitgestellt und ein Polizist bewacht die TWIKE die ganze Nacht!



Nach einem rumänischen Fleischspiess mit dem Bürgermeister fallen wir müde und bereits erfüllt von der fröhlichen Art der Rumänen in einen tiefen Schlaf!

Francois Loeb
 
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