Tag 16 - von Oltenita nach Constanza (23. Juli) Drucken E-mail
Geschrieben von: Administrator   
Der Kommandant der Gendarmerie von Oltenita erwartet uns Punkt sieben Uhr und fährt uns Piloten in der blauen Minna in den Werkhof. Neugierige Blicke der Frühaufsteher folgen uns!
 


Die TWIKES schnurren wohlgenährt vor sich hin und wir fahren mit ihnen zum kleinen Hotel. Frühstück am Kaffeautomaten und dann mit Blaulichtbegleitung zur Stadt heraus und weiter gehts der Donau entlang immer näher zum schwarzen Meere hin. Wiederum durch dörfer, es ist Samstag, die Heuernte ist in vollem Gange, wir überholen Karren um Karren. Die Strassen ausgezeichnet, wir kommen sehr gut vorwärts, die Schlaglöcher sind bereits ein TWIKE Mythos aus alter Zeit geworden. Unsere Maschinen halten sich mehr als gut und es ist nicht mehr weit bis ans schwarze Meer!
Wiederum viel Storchennester, Storchenfamilien schauen beinahe verachtend auf uns nieder, können wir doch nicht fliegen...! Wir beobachten unsere Bordinstrumente, eine steife Brise weht uns entgegen, lässt die Kilometervorräte welche wir am Bordcomputer ablesen können schwinden wie Schnee an der Märzensonne. Die 135 Kilometer bis Cernavodo werden wohl nicht zu schaffen sein und das Spitzenfahrzeug entscheidet in weiser Voraussicht eine Prise Strom in einem Dorf nachzuladen. In Fetesti halten wir vor der Apotheke an, können eine Leitung legen, ebenfalls bei einem Nähmaschinengeschäft nebenan und an der andern Strassenseite, ein Storch auf dem Dach ist dafür ein gutes Omen, klingeln wir und radbrechen uns mit Hand und Fuss zu einem Stecker durch. Jedes Fahrzeug soll in 2 Schichten 15-30 Minuten laden, wir sind gleich von der Jugend des Dorfes umringt, werden bestürmt, die Gesprächsgrundlage auch hier Rinaldino und weitere Fussballhelden, denen alle jungs nachzueifern trachten.



Des Berichterstatters Anzeigen melden noch genügend Strom für die letzten zwanzig Kilometer und so lässt er seinem neben TWIKE den energiespendenden Stecker nach einer Viertelstunde. Einen Euro pro Leitung wechselt den Besitzer und los geht es dem letzen Stückchen vor der Mittagspause zu. Wir werden dort in Cernacvoda bereits ungeduldig vom Bürgermeister erwartet. Die Strasse wird zur einspurigen Autobahn, die zweite ist noch im Bau, auf dem Seitenstreifen ziehen Fahrräder die Bahn, die Geschwindigkeit ist auf 80 km begrenzt. Wir wollen keineswegs als Verkehrshindernis auftreten, fahren deshalb in zweiter Stufe über 70 km schnell, der Gegenwind ist auch hier noch unser Begleiter. Eine Brücke über Marschland, dann über die Donau, in den Cockpits leuchtet es überall rot, wir haben bereits beinahe 30 Kilometer zurückgelegt, auf der Karte wären es 20! Des Berichterstatters Fahrzeug wird langsam, vor ihm wechselt ein Seil von TWIKE zu TWIKE, also bin ich nicht der einzige mit Energieproblemen, was mich beruhigt. Ooh nein die Brücke geht leicht aufwärts und danach eine steile Spur...die Muskeln geben ihr letztes her, der Schweiss rinnt in Strömen. Bis zum Pannenstreifen nach der Brücke schaffe ich es noch, liege dort wie nicht bestellt und auch nicht abgeholt!
Stossend, keuchend versuche ich den Hang zu bewältigen, weit und breit vor mir kein TWIKE! Enlich, endlich kommen als Erlösung zwei der Freunde auf dem Pannenstreifen angetrabt und schiebend schaffen wir den Hang, bis zum Zeichen Ende Autobahn und zur Ausfahrt nach dem Ort. Es geht ein Stück hinunter ich kann rekuperieren, doch vor uns liegt eine neue ergiebige Steigung, die ich nicht schaffen kann. Hätte ich doch nur weitere 10 Minuten geladen, aber vergangenem nachzutrauern bringt nicht viel! Da erinnern wir uns de TWIKE CHALENGE 98 mit ähnlichen Situationen und entschliessen uns zum SCHLAFSACKTANGO. Hinten an mein TWIKE binde ich meinen schlafsack als Puffer fest, werde vom erfahrensten TWIKE Piloten gestossen und als ZwillingsTWIKES, vom hinteren stets geküsst, geht es den Hang hinauf und als die Strasse wieder runtergeht verliere ich den Schlafsack, lasse mich aber weiterrollen, lade durch die Motorbremse Energie und rolle als sei nichts geschehen vor dem Bürgermeiseramte vor! Verschwitzt und abgekämpft ist der Stadt und vor dem Bürgermeisteramte ein. Den Eindruck den ich bei der Ansprache zur Übergabe der Flasche mit Donauquellwasser, hinterlassen habe war wohl nicht so gut, die Alphornklänge aber kompensieren wieder alles! Der Ort ist Standort des einzigen AKWs in Rumänien und erreichte dadurch einen gewissen Wohlstand durch Steuerinnahmen. Der Bürgermeister hat noch Trauungen vorzunehmen, seine Assistentin begleitet uns zu einem türkischen Mahl, des Berichterstatters Lebensgeister kehren wieder zurück!

Nach Aufladung unserer Fahrzeuge geht es 66km, vorichtig rechnen wir jetzt mit mehr, der Hauptstrasse nach zum Schwarzen Meer nach Constanta! Die Stadt gleicht Rimini oder Cannes, ein Hotlkasten neben dem andern säumt den strand, wir finden einen Aussichtspunkt und haben einen TWIKE-BLACKSEA-FOTOTERMIN!!



Herrlich ist es das Meer erreicht zu haben und obwohl keine Schwarzwaldtanne sich im Meere spiegeln, sind wir erleichtert und froh, dass die Reise ohne Zwischenfälle, Unfall und pannenfrei von Statten ging! Die neuen Batterien sind hervorragend und bieten die doppelte Autonomie, ein Riesenschritt zur Reisetauglichkeit unseres Gefährts!
Wir beziehen das Hotel in Constanta, müssen Leitungen durch die Hotellobby legen, erst nach zwei Stunden sind alle TWIKES angeschlossen und wir können zu einer späten Pizzamahlzeit gehen, die sich der Freude ob des Schwarzen Meeres wegen bis zur Schliessungsstunde ausdehnt, aufgetischte Stühle weisen uns den Weg zum Bett!
 
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