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Geschrieben von: Michael Schoch
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Nach dem Aufstehen am Morgen ein erster Gang zu den Pferden: Haben sie
gut geschlafen und sind sie wohl genährt für den Tag? Zelte abbrechen,
Schlafsack und Mätteli verstauen, Morgentoilette, Flyer verteilen und
ab die Post. Nach 4 Wochen hat langsam alles seinen festen Platz im
TWIKE und die alltäglichen Handgriffe sitzen. Auch die allabendliche
Disskussion beim Aufstellen der Zelte, ob jetzt das grosse "one touch"
Zelt (Spitzname Turnhalle) oder das elegante kleine Expeditionszelt
besser ist, hat eher rituellen Charakter erhalten.

Wunderschöne Zeltplätze direkt am Meer verlocken eigentlich zum länger
bleiben. Verständlich also, dass diese Plätze bis 7000 Personen
beherbergen und die Gäste für die Ferien einen Roller oder ein Fahrrad
mitnehmen um sich innerhalb des Zeltplatzes zu bewegen. Meist spricht
sich's dann auch schnell um, dass da spezielle Fahrzeuge zu besichtigen
sind und die internationale Gästeschar macht sich auf eine TWIKE
Besichtigungstour. Das TWIKE ist nun Teil unzähliger
Sommerferien-Foto-Dokumentationen in Italien, Deutschland, Holland,
Kroatien, Slowenien und und und.
Frühstück gönnen wir uns meist unterwegs und die Pferde kommen so zu
einer ersten Pause. Gut und günstig isst man in den Restaurants - und
natürlich im Grünen mit der nötigen Prise Romantik und Abenteuer dazu.


Rauhe, messerscharfe Steinlandschaft mit Büschen und ein böiger Wind
zum Cappuccino vom Benzinkocher. Stephan kehrt von seinem Ausflug zum
Hügel (in Sandalen) nach der Entdeckung einer Schlange ziemlich schnell
zurück. Bedrückend, dass die Schlangen nicht die grösste Gefahr abseits
der Strasse darstellen. Immer noch sind nicht alle Minen aus dem Krieg
beseitigt und Schilder entlang der Strasse warnen vor Ausflügen in die
wilde Natur.
Unter dem Motto Schweizer Jugend Forscht kaufen wir uns Taucherbrillen.
Doch ein erster Ausflug wird im Keim erstickt als der mutige Taucher
auf dem Weg ins Wasser mit der Verse einen Seeigel trifft. Nicht dass
er keine Badeschuhe angehabt hätte, doch einmal daneben treten hat
gereicht. Ungerecht dass eben die 90 Mückenstiche aus Sulina verheilt
gewesen wären...
Eine interessante Entdeckung möchten wir der Öffentlichkeit nicht enthalten. Darf ich vorstellen: Helmut!

Fundort am Ufer in ca. 3m Tiefe
Das Objekt bewegt sich, hat ein Loch vorne und hinten. Wasser kommt aus
dem einen Loch wenn das Tier mit einer leeren Petflasche aus dem Wasser
gehoben wird. Keine Augen und Extremitäten. Fährt im Wasser kleine
Stacheln aus (die nicht stechen). Nach längerem Zögern wagen sich die
mutigen Forscher, dass Objekt zu berühren. Fühlt sich an wie ein Muskel
und reagiert nicht auf liebevolle Zuwendung.
Zuschriften mit Infos zu diesem Lebewesen sind erwünscht!
Die Küste wird gesäumt von unzähligen Inseln. Selten hat man einen
Blick auf's weite Meer, ausser man begibt sich per Fähre auf eine
dieser Inseln. Wir haben uns eine lange schlanke Halbinsel ausgesucht
und sind durch eine faszinierende Steinwüstenlandschaft gefahren.
Seitenwind von schätzungsweise 60km/h rüttelten am TWIKE und die
Piloten hatten so ihre Mühe mit der Fortbewegung an Land. Wasserlassen
war in dieser Pause nicht möglich, es fehlten die Bäume :-)

Die perfekte Strasse endete nach einer langen Kurve im Meer und per Fähre ging's in 15 min. zurück aufs Festland.

Langsam drängt sich wieder ein Ladehalt auf: Die Suche kann beginnen.
Sehr hilfreich sind unsere Papiere mit der Bitte um Strom in
kroatischer Sprache. Doch heute will's nicht funktionieren.
Vermeintliche Stromfunde erweisen sich als Nieten.

Offenbar hat's auf
dem ganzen Kasten nur eine Phase... oder der Tennisplatzwart will uns
einfach keinen Strom geben. Auch die Nachfrage an der Reception des
dazugehörigen Hotels nützt nichts. Freundlich wird nach Ausreden
gesucht, warum wir keinen Strom erhalten. Ein weiteres Mal bestätigt
sich: Grossbetriebe haben zwar meist viele Steckdosen haben, doch ist
es schwierig an die zuständige Person zu gelangen. Auch bei einem
öffentlichen Parkplatz lacht uns eine rote 63A Steckdose entgegen. Der
anwesende Herr ist freundlich und interessiert uns zu Helfen, doch der
Chef nicht da und per Telefon nicht zu überzeugen.
Auf der historischen Halbinsel eine weitere Finte: Im Yachthafen jede Menge Steckdosen doch offenbar Strom erst ab 16 Uhr.

Ein TWIKE hängt nun am Strom in einer Pizzeria, drei werden weiterhin
am Eingang des Städtchens von Touristen bestaunt. Endlich die klärende
Auskunft auf der Tourist Information: Die halbe Insel hat seit dem
Morgen einen Stromausfall (so auch der Yachthafen) was ein Blick in die
Höhe bestätigt. (Man beachte den orangen Mann... einmal sind nicht wir
verantwortlich für den Stromausfall, und können uns daher gemütlich in
einem Restaurant zu Tisch setzen.
So kommen wir halt heute nicht so weit wie geplant. Macht nichts, denn
auf der Rückreise gibt's keine fixen Termine mit Botschaften,
Bürgermeistern und Presse. Auf dem Zeltplatz wiedermal ein
wunderschöner Sonnenuntergang welcher die Ladestrapazen vergessen lässt.

Die Gastfreundschaft nimmt ab, je näher wir der Schweiz kommen. Wo viel
Tourismus und Geld ist, wächst offenbar auch die Angst, jemand könnte
sich unberechtigterweise berreichern. Entsprechend werden Preise
verlangt wo wir auch die beste Steckdose ablehnen. Ein nobler
Yachthafen will zwar Strom geben und wir haben die TWIKE schon fast
eingesteckt. Auf mehrmaliges Nachfragen stellt sich der Preis von 30
Euro pro
Fahrzeug und Ladung nicht als Witz heraus und wir verlassen die
versnobte Umgebung umgehend.

Abseits von grossen Routen auf der Halbinsel Istria dann das Gegenteil.
Mit letzem Strom kriechen wir in der Abendsonne eine steile Strasse
hoch. Hinter uns machen sich zwei Männer in einem kleinen Auto
bemerkbar. Wir hupen, geben Lichtzeichen mit dem Pannenblinker, winken
und er überholt uns erst kurz vor dem höchsten Punkt. Er weist uns zur
Seite und lädt uns zu sich nach Hause ein. Sofort bringt er Wein und
wir versuchen uns mit Zeichnungen und Dictionaire einigermassen zu
verständigen. Eine riesiege Freude für ihn, uns als Gäste zu haben. Ein
Ladehalt für uns mit perfektem Timing und ohne zu suchen. Während er
ins Gespräch vertieft ist, wechseln wir Sicherungen und tanken genügend Strom um spät Abends das Meer zu erreichen.
Hier dann ein bekanntes Problem für die Hochsaison: Auch die grössten
Campingplätze sind voll besetzt und nicht interessiert an Gästen, die
nur eine Nacht bleiben.

Das letzte kroatische Geld wird verbraucht, die Telefonkarten
leertelefoniert. Heute verlassen wir Kroatien und durchqueren das an
dieser Stelle schmale Slowenien mit einer Ladung.
Endlich in Italien! Für alle unter uns, die ein wenig Italienisch
können erleichtert sich nun die Kommunikation mit den Einheimischen
unglaublich. Auch freuen wir uns alle auf gute Pizzas, Pasta und
natürlich den Kaffee.
Umwerfend ist die Begeisterung der Italiener für das TWIKE. Laute Zurufe und Komplimente allerseits sind keine Seltenheit.

In der Jugenherberge Triest finden unsere 4 TWIKE einen perfekten
Parkplatz im Hinterhof (mit einer Steckdose zum teilen). Das Frühstück
für uns auch etwas knapp: 2 Zwieback und eine erste Kaffeeenttäuschung.
Doch so leicht lassen wir uns nicht mehr aus der Ruhe bringen
(schliesslich haben wir am letzten Abend reichlich und vorzüglich
italienisch gegessen).
Weiter geht die Reise nach Venedig. In den nächsten Tagen erscheint der
letzte Bericht mit der krönenden Etappe über die Alpen zurück in die
Schweiz.

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