| Roll against Ozone 1996 - Reisebericht Oslo-Helsingborg |
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Seite 1 von 5 Oslo (11.7.96-13.7.96) Die Anlässe sind organisiert, die Veranstalter erwarten uns nach Fahrplan in ihrer Stadt, Termine sind fix. Wir sitzen im Hotelzimmer und vor uns liegt ganz Europa. Marc und ich bekritzeln Postkarten, weil wir auf dem sechzigsten Breitengrad sitzen und in zwei Monaten den zweiundvierzigsten erreichen sollten. Wir kritzeln, weil wir immer so getan haben, als wäre es keine Sache, um auf unseren Rollen nach Rom zu fahren. Weil wir nicht wissen, ob wir überhaupt Schweden erreichen werden, meiden wir die Tiefsinnigkeit der Tagebücher und halten uns an Grussfloskeln. Bern liegt 2000 km südlich von uns. Das fahle Licht der Abenddämmerung dringt in den Raum im achten Stock, obwohl schon bald Mitternacht ist. Es läuft der Fernseher, irgendwas in englisch mit Untertiteln, etwas das nicht beim Kartenschreiben stört. Heute früh war das letzte Interview mit der Schweiz über Telefon und DRS 3 wird es morgen zum Frühstück servieren. 'Ja, alles bestens, wir sind bereit, zwei Zeitungen, ein Radio... Nachfrage ankurbeln...bereit für ein weiteres Jahrtausend, effizient, lautlos, abgasfrei....usw...' Die Telefoninterviews gehen schon fast von selbst, denn wir haben vorgefertigte Sätze bereit, die wir auf die entsprechenden Fragen von uns geben können. Es sind Sprachmodule, die wir während dem letzten Monat oft üben konnten, sodass wir unsere Inhalte einigermassen prägnant vermitteln können, auch wenn die Fragen gar nicht darauf abzielen. Es geht uns immer wieder darum, das Interesse der Interviewpartner - und natürlich der damit verbundenen Öffentlichkeit - weg vom sportlichen Teil der Aktion und hin auf die Fahrzeuge zu lenken, die ja nach wie vor im Zentrum unseres Interessens stehen, selbst wenn wir als Beispiele nur unsere Inline-Skates, die 'Allewetter E' und nur Fotos von allerlei anderen Fahrzeugen bieten können. Deshalb ist es auch verständlich, dass die Journalistinnen sich auf unsere Füsse und das restliche Fahrwerk konzentrieren und nicht unbedingt etwas über Hybride, ULEV und Energieeffizienz hören und schreiben wollen. What you get is what you see. Die dritte Person im Raum ist Marc Stammbach, unser Fahrer. Er hat sich auf den Radioaufruf gemeldet, den wir machen mussten, nachdem wir endlich ein Begleitfahrzeug erhalten hatten und plötzlich kein Fahrer mehr da war. Er ist motiviert für die Sache, gut in Form und sympathisch. Wir haben ihn vor der Abfahrt einige Male in Bern getroffen und seit dem 10. Juli sind wir ununterbrochen mit ihm zusammen, Tag und Nacht. Er spricht nicht viel und ist vielleicht etwas verschlossen, aber das macht ja nichts.In allerletzter Minute haben wir es noch geschafft, die Allewetter mit Anhänger aus Deutschland nach Oslo zu spedieren und wir konnten sie am 12. Juli am Stadtrand von Oslo abholen. Allerdings haben wir inzwischen gemerkt, dass wir nicht alles Material in dem mitgelieferten Anhänger transportieren können und wir müssen uns morgen Samstag noch irgendwo einen zweiten besorgen und uns etwas einfallen lassen, damit wir ihn an den ersten montieren können. Marc wird sich darum kümmern und ich werde derweil versuchen, die Leichtelektromobil Flotte der Stadt Oslo zu mobilisieren. Irgendwie bleibt das mit den Elektromobilen immer an mir hängen und ich scheine der einzige zu sein, der - aus welch unverständlichen Gründen auch immer - die Faszination und die Hoffnung auf Begleitung von diesen Dingern noch nicht verloren hat. Also werde ich den Samstag Morgen erfolglos am Telefon verbringen und am Nachmittag Herrn Moser in der Schweizer Botschaft aufsuchen und mit ihm zusammen Kontakte in Italien überprüfen. Er ist uns heute beim gemeinsamen Nachtessen mit dieser Idee entgegengekommen. Ich glaube, er hat Spass an unsrem Projekt. Zwei Tage später - es ist Sonntag der 14. Juli 1996. In vier Stunden wird es losgehen - um 14.00 vor dem Rathaus von Oslo. Das Begleitfahrzeug ist startklar -Marc und ich sind verkatert: - Marc war gestern Samstag erfolgreicher als ich und ist, auf der Suche nach einem zweiten Anhänger, an Björn vom DBS-SYKKELShop geraten, welcher ihm in seinem Fahrradgesch%oft keinen Anhänger verkauft hat, sondern uns einen sponsert. Er ist begeistert von unseren Plänen. Den Anhänger hat er uns gleich mit seinem Velo in die Hotel Lobby geliefert, wonach wir an der Bar mit ihm und seiner Freundin auf gutes Gelingen angestossen haben. Da der Abend noch jung war und wir uns sowieso für den heutigen Tag etwas Mut besorgen mussten, sind wir mit den zweien in die Micro Brygeri weitergezogen, die kleinste Brauerei der Stadt. Während wir das Angebot von Stout über Bitter, Lager und so weiter bis zum köstlichen Sommerbier durchprobierten, erzählte uns Björn, der hier einmal Brauereigehilfe war, über jedes der Biere eine Geschichte, bis die Bar schloss und wir uns in seine Wohnung trollten, um weiter zu scherzen und über Gott, die Welt und deren Fortbewegungsmittel zu philosophieren. -Der Kater hält sich nicht lange. Vor dem ehrenwerten Rathaus von Oslo erwartet uns Arne Berge und einer seiner Politiker, Herr Shahbaz Tariq. Jener ist stellvertretender Leiter des Komitees für Verkehr und Umwelt der Stadt Oslo und überreicht uns ein Schreiben an interessierte Stellen unterwegs. Wir werden dieses Schreiben kopieren und den verschiedenen Lokalpolitikern überreichen. Damit dienen wir als Kuriere und können Leute miteinander verbinden, die getrennt für die gleichen Ziele arbeiten. Gegen 14.30 ist die Zeremonie vor dem Rathaus beendet, ein letztes Händeschütteln, wir fahren los. |
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