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Einleitung
Hintergrund
Wir sehen sie immer öfter in den Strassen und auf den Plätzen;
diese Kleinen, Leisen, Flinken und Geruchlosen, welche sich elegant
und wendig durch den Verkehr bewegen, in der Kolonne mitschwimmen
und Parklücken ausfüllen, die kaum zu existieren scheinen.
Doch wissen wir, wie sie funktionieren, woher sie ihre Energie
beziehen und wie sie den Energiehaushalt beeinflussen würden,
wenn sie einen grösseren Stellenwert in unserem Verkehrssystem
einnehmen würden? Seit Mitte der 1990-er Jahre entnehmen
wir den Statistiken, dass die ultraleichten Fahrzeuge ihre Absatzzahlen
erhöhen. Die erfolgreichsten Produkte sind elektrisch unterstützte
Fahrräder, verschalte und zweiplätzige Dreiräder
mit kombiniertem Antrieb aus Muskelkraft und Elektromotor sowie
elektrische Roller. Aber welche Bedeutung haben diese Fahrzeuge
für die anderen VerkehrsteilnehmerInnen, wo ist ihr Image
angesiedelt und aus welchen Gründen werden sie benutzt oder
auch nicht? Dank moderner elektronischer Steuerung und Fortschritten
in der Batterietechnologie sowie unternehmerischer Leistungen
von Ingenieuren und Herstellern haben diese Fahrzeuge ein neues
Entwicklungs- und Produnktionsniveau erreicht. Die elektrischen
oder teilweise elektrischen Fahrzeuge, welche auf dem Markt erfolgreich
sind, haben gemeinsam, dass sie leicht sind und einen geringen
Energieverbrauch aufweisen. Sie verfolgen damit ein Fahrzeugkonzept,
das an den batterieelektrischen Antrieb angepasst ist, so wie
es von den Akteuren der „Solarmobilszene“ zu Beginn des Jahrzehnts
im Umfeld der Tour de Sol proklamiert worden ist. Die Fahrzeuge,
mit welchen wir uns in der vorliegenden Arbeit im Rahmen von regional
autarken Verkehrs- und Energiesystemen befassen, sind bisher kaum
separat erforscht worden. Vielmehr wurden sie als Leichtelektromobile
betrachtet und zusammen mit elektrischen Autos behandelt, welche
die oben genannten Eigenschaften nicht vorweisen können (HARMS
1997).
In dieser Arbeit ist innerhalb der Klasse der „LEM“ (LeichtElektroMobile)
die Unterscheidung von elektrischen Autos, welche nicht speziell
auf die Verwendung mit Batterien hin konstruiert worden sind und
jenen Fahrzeugen, welche Bauweise und Energieverbrauch auf diesen
Energiespeicher abgestimmt haben, wichtig, weil es darum geht,
den motorisierten Individualverkehr mit regenerierbaren Energien
zu versorgen. Dies ist bedeutend einfacher, wenn wir mit Fahrzeugen
arbeiten, die mit einem Minimum an Energie ein Maximum an Distanz
zurücklegen können. Die Fahrzeuge, welche diesen Punkten
Rechnung tragen nennen wir „FREE“ (Fahrzeuge mit Regionalen Erneuerbaren
Energien). Diese Fahrzeuge erweisen sich in den letzten Jahren
einerseits auf dem Markt als erfolgreich, andererseits sprechen
sie eine weniger stark definierte KundInnengruppe an und erzeugen
eine höhere BenutzerInnenzufriedenheit als die übrigen
LEM (HARMS 1997).
Dies ist erfreulich und stimmt positiv, denn wir leben in einer
Zeit, in der es klar ist, dass unsere Reserven an fossiler Energie
innerhalb einer absehbaren und erlebbaren Zeit zu Neige gehen.
Ebenso klar ist in dieser Zeit, dass die Nutzung von fossiler
Energie (Erdöl, Erdgas, Kohle, Uran) das Ökosystem,
von dem sich die Menschheit ernährt, fundamental verändert.
Diese Veränderung kann zur Folge haben, dass das Überleben
des heutigen Ökosystems mit seiner immensen Artenvielfalt
gefährdet ist. Wir Menschen werden davon insofern betroffen,
als wir uns nicht nur von anderen Arten ernähren, sondern
selbst eine Art sind, die dadurch vom Aussterben bedroht werden
könnte.
Die Energiewende, welche uns von der Nutzung fossiler Energieträgern
hin zu Nutzung von regenerierbaren (erneuerbaren, nachwachsenden)
Energien führt, ist unter diesem Aspekt nichts weiter als
eine Überlebensstrategie einer hochtechnisierten aber potentiell
bedrohten Zivilisation.
Die vorliegende Arbeit zeigt auf, dass die angesprochene Energiewende
auf dem Sektor des motorisierten Individualverkehrs durchaus im
Bereich des Möglichen liegt. Mit bescheidenen Investitionen
und einer Erhöhung der Energieproduktivität der Verkehrsmittel
lässt sich der gesamte Individualverkehr regional autark
mit erneuerbaren Energien betreiben. Dies bedeutet nichts anderes,
als dass der Verkehr mit Energie betrieben wird, die „vor Ort“
aus nachwachsenden Energiequellen gewonnen werden kann.
Die Tragweite dieser Erkenntnis wird im zweiten Teil der Arbeit
sichtbar, wo wir die soziale Akzeptanz eines solchen Verkehrs-
und Energiekonzeptes untersuchen: Die Bereitschaft zu einer Wende
ist in der heutigen Zeit gegeben. Die Faktoren, welche sich als
mögliche Verhinderungsgründe in den Weg legen, können
in der Untersuchung herauskristallisiert werden. Aus dem Blickwinkel
des Autors erweisen sich diese Faktoren als lösbar oder umgehbar.
Das führt zum Schluss, dass die Machbarkeit von regional
autarken Verkehrs- und Energiesystemen gegeben ist, unter der
Voraussetzung, dass verstärkt auf verschiedenen Ebenen und
von verschiedenen Akteuren und Akteurnetzwerken an deren Realisierung
gearbeitet wird.
Abstract
Inhalt
Die Arbeit untersucht integrierte Verkehrs- und Energiesysteme.
Sie stellt die Frage, ob es möglich ist, den motorisierten
Individualverkehr nachhaltig mit regionaler, erneuerbarer Energie
zu betreiben, wie das gegebenen Falles machbar wäre und welche
Anforderungen an Verkehrsmittel und Energiebereitstellung gestellt
werden müssten. Es werden verschiedene technische Möglichkeiten
abgeklärt und konkrete Modelle berechnet. Die Fahrzeuge,
welche sich für den Einsatz in regional autarken Verkehrs-
und Energiesystemen eignen, verfügen über Leichtbauweise,
geringen Energieverbrauch und hohe Antriebseffizienz. Auf dem
derzeitigen Stand der Technik eignen sich elektrische Antriebe
mit Akkumulatoren als Energiespeicher am besten um diese Anforderungen
zu erfüllen.
Als Voraussetzung für die technische Machbarkeit wird die
soziale Akzeptanz der Komponenten der vorgeschlagenen Systeme
mit Leitfadeninterviews untersucht. Wir stossen dabei in eine
durchaus differenzierte und doch ambivalente Wertewelt vor, welche
Motivation und Verhinderungsgrund zugleich sein kann und auf jeden
Fall von zentraler Bedeutung ist für den angestrebten Umbau
des Verkehrs- und Energiesystems. Es stellt sich heraus, dass
das Fahrzeug den entscheidenden Faktor für die Realisierung
des gesamten Systems darstellt.
In der Synthese wird gefolgert, dass die Versorgung des Verkehrs
mit regional gewonnener und erneuerbarer Energie möglich
ist und dass auch die Bereitschaft für diese Umstellung besteht,
dass aber noch ein beträchtlicher Handlungsbedarf existiert,
mit welchem die Umsetzung dieser Wende vorangetrieben werden muss.
Zielsetzung
Die Arbeit setzt sich zum Ziel, Wege aufzuzeigen, mit welchen
sich das heutige Mobilitätsbedürfnis nachhaltig befriedigen
lässt, ohne dass daraus Einschränkungen für die
mobilen Personen erwachsen. Die aufgezeigten Wege sollen zum heutigen
Zeitpunkt umsetzbar sein und den Wünschen der Gesellschaft
wie auch den ökologischen Anliegen, von welchen unsere Gesundheit
und Ernährung abhängt, Rechnung tragen. Sie sollen aktuellen
Entwicklungen im Verkehrs-, Energie- und Produktionsumfeld des
Standortes Schweiz angepasst sein und sich innerhalb dieses Perimeters
entwickeln können.
Um die Frage beantworten zu können, ob es tatsächlich
möglich ist, das Verkehrssystem umzubauen, brauchen wir Daten
über die persönlichen Hintergründe der mobilen
Personen, welche zur Benützung bestimmter Fahrzeuge führen.
Erst wenn wir diese kennen, können wir uns an die Umsetzung
machen. Deshalb setzt sich die Arbeit auch zum Ziel, das Verhalten
mobiler Personen zu ergründen, deren Verhältnis zu unterschiedlichen
Energieformen und Verkehrsmitteln, der Mobilitätsgeschichte
jedes einzelnen, Erlebnissen und Reisen, Kauf und Verkauf von
Fortbewegungsmitteln etc. kennenzulernen. Wir möchten, basierend
auf den Erfahrungen, welche mit den unterschiedlichsten Fahrzeugen
gemacht werden, Punkte herauskristallisieren, welche für
den Umstieg auf eine neue Art von Fortbewegungsmitteln Schlüsselpositionen
einnehmen. Diese Daten sollen wir in Expertengesprächen nochmals
beleuchten, um gezielte Handlungsmöglichkeiten skizzieren
zu können, welche den Umbau des Verkehrs- und Energiesystems
auf Nachhaltigkeit beschleunigen können und auf die Bedürfnisse
verschiedener Personengruppen abgestimmt sind. Mit der vorliegenden
Arbeit soll eine Grundlage geschaffen werden, auf welcher man
weitere Forschungs- und Umsetzungsprojekte aufbauen kann.
Es ist gerade diese konkrete Umsetzung, welche für die Arbeit
von zentralem Interesse ist. In Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren
könnten Projekte ausformuliert und durchgeführt werden,
welche die Akzeptanz der erwähnten Fahrzeuge in einer breiteren
Bevölkerungsschicht erhöhen, die Versorgung der Fahrzeuge
mit regenerierbarer Energie vereinfachen und welche das Bewusstsein
für regionale Zusammenhänge stärken. Es sollte
angestrebt werden, dass das Angebot an Fahrzeugen diversifiziert
und die Finanzierung der Herstellung grösserer Serien ermöglicht
wird, um den Markt zu beleben und die Produkte für eine breitere
KäuferInnenschaft zugänglich zu machen. Dieser Arbeitsschritt
würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit allerdings sprengen.
Trotzdem müssen gerade diese übergeordneten Ziele als
Leitbilder und Orientierungspunkte für die Verfassung der
vorliegenden Grundlagenarbeit gelten, weil sie aus jenen ihre
Berechtigung erhält.
Es wäre auch interessant, die hier erarbeiteten Daten weiter
zu analysieren und soziologische und psychologische Expertisen
anfertigen zu lassen, welche das Problem der Fahrzeugwahl und
der Energieversorgung noch tiefgründiger erleuchten könnten.
Dies würde uns erlauben, die Handlungsmöglichkeiten
zur Umsetzung regional autarker Verkehrs- und Energiesysteme schärfer
zu fokussieren und das Zielpublikum enger zu fassen, als wir es
im Rahmen einer geografischen Diplomarbeit machen können.
Positionierung
der Arbeit innerhalb der Geografie
Die Arbeit positioniert sich thematisch und methodisch auf der
Nahtstelle zwischen physischer Geografie und Kulturgeografie.
Mit der Vernetzung von unterschiedlichen Forschungsbereichen wird
ein Generalismus angestrebt, der versucht, ein vollständiges
Bild der Situation, von den physisch-geografischen Voraussetzungen
bis zur sozialen Akzeptanz, zu zeichnen. Die Problematik ist zu
komplex, um sie mit einem Spezialgebiet erfassen zu können.
Deshalb lösen wir den Blick von den Details und lenken ihn
auf das gesamte System. Dabei besteht jederzeit die Gefahr, vom
Generalismus in den Generaldilletantismus abzudriften. Eine Gefahr,
welcher wir uns bewusst sind und ein Risiko, das wir eingehen
müssen, wenn wir uns ernsthaft und kritisch auf die Themen
Fortbewegung und Energie als Wirkungsgefüge einlassen.
Globaler Rahmen
Auf der Suche nach neuen Lösungen für die globale Nachhaltigkeit,
erweist sich die regionale Autarkie von Systemen als Modell gerade
deshalb als geeignet, weil der Massstab der Region fast unbeschränkt
dehnbar ist. Damit kann gewährleistet werden, dass der untersuchte
Ansatz, wenn er regional nachhaltig zu verwirklichen ist, unter
Beachtung der unterschiedlichen sozio-kulturellen Voraussetzungen,
auch global angewendet werden kann. Der Wahlspruch „think globally,
act locally“ wurde vom ersten UNCED Welt Umweltgipfel in Rio de
Janeiro geprägt. Er beeinflusst seither die kommunale Umweltpolitik
insofern, als dass regionale Aktionen dadurch in einen globalen
Rahmen gestellt werden können und weil regionale Aktionen
ihre thematischen Schwerpunkte aus dem globalen Geschehen beziehen
können (MAYER 1996). Das gilt insbesondere für Aktivitäten
im Bereich des Klimaschutzes und der Lufthygiene, welche auf Grund
der grossen Mobilität der Luftmassen prädestiniert sind
für diesen Ansatz. Wir verwenden in der ganzen Arbeit die,
in der heutigen, global vernetzten Zeit eigentlich anachronistische,
Komponente der regionalen Autarkie als Grundlage für die
Untersuchungen.
Methodik
Als Basis für die Forschung dient eine Darstellung von Faktoren,
welche das System im aktuellen Geschehen positionieren. Die sogenannten
Push-Faktoren zeigen auf, dass die dringende Notwendigkeit besteht,
Verkehr und Energie nach den Gesetzen der Nachhaltigkeit neu zu
orientieren. Sie stossen uns in eine bestimmte Richtung, zwingen
uns zum Handeln. Ihnen werden sogenannte Pull-Faktoren gegenüber
gestellt, die darlegen, dass auf die Push-Faktoren durchaus reagiert
werden kann, ohne dass dabei ein Nachteil für die Beteiligten
entsteht. Sie ziehen uns in eine bestimmte Richtung, locken uns
zum Handeln. Wir erhalten viele Anstösse aus den Pull-Faktoren,
die auf eine erhöhte Lebensqualität hinweisen. Wir zitieren
Push- und Pull-Faktoren, die thematisch in den Gebieten Regionalisierung,
Verkehr und Energie zu finden sind. Damit umreissen wir das Gebiet,
in welchem sich die gesamte Diplomarbeit thematisch bewegt.
Die technische Machbarkeit wird in Form von Berechnungen dargelegt.
Diese beziehen sich auf den Perimeter der Schweiz und untersuchen
die Energieversorgung mehrerer Hunderttausenden von Fahrzeugen
mit Energie aus regenerierbaren Quellen oder aber mit Energie,
die durch Einsparungen in anderen Bereichen auf den Verkehr umgelagert
werden kann. Die Fahrzeuge, mit welchen gerechnet wird, erfüllen
strenge Anforderungen bezüglich Energieverbrauch, Energieträger
und Effizienz des Antriebes, welche derzeit in mehreren elektrisch
betriebenen Fahrzeugen verwirklicht sind.
Die soziale Akzeptanz und die Nachfrage von regional autarken
Verkehrs- und Energiesystemen wird mit Methoden der qualitativen
Sozialforschung ergründet und konzentriert sich auf einzelne,
private AnwenderInnen. Diese werden eingehend über ihr Energieverständnis
und Mobilitätsverhalten interviewt. Dabei wird uns von den
InterviewpartnerInnen ein ausserordentlich reiches Erinnerungs-
und Assoziazionsgewebe eröffnet, das mit allen erdenklichen
Fahrzeugen und Fortbewegungsmitteln verbunden ist. Die Typisierung
der InterviewpartnerInnen hilft uns dabei, die Komplexität
der Resultate zu vereinfachen. In drei Expertengesprächen
zu den Themen Energie, Regionalentwicklung und effiziente Fahrzeuge,
werden die Aussagen der Interviews relativiert und in Hinblick
auf die Umsetzbarkeit des Systems vertieft.
Resultate
Die Resultate zeigen auf, dass die technische Machbarkeit der
nachhaltigen Versorgung des Verkehrs mit regionalen und erneuerbaren
Energiequellen ohne Schwierigkeiten gegeben ist. Besonders die
Einsparung von Elektrizität im Haushalt und die anschliessende
Umlagerung dieser Energie auf effiziente Verkehrsmittel birgt
ein immenses Potential, weil die anfängliche Einsparung mit
der Umlagerung mit rund einen Faktor Zehn multipliziert wird,
wenn mit dem effizienten Fahrzeug ein herkömmliches ersetzt
wird. Die Einsparungen im Haushalt sind mit kostengünstigen
technischen Lösungen und vorallem ohne Verlust von Komfort
zu verwirklichen und mit der Umlagerung auf den Verkehr zu multiplizieren.
Die Resultate weisen auch darauf hin, dass für die Erhöhung
der sozialen Akzeptanz ein beträchtlicher Handlungsbedarf
besteht. Die Fahrzeuge, welche für den Betrieb in regional
autarken Verkehrs- und Energiesystemen geeignet sind, stehen dabei
im Zentrum. In den Leitfadeninterviews werden von unseren GesprächspartnerInnen
vorallem technische und preisliche Nachteile der vorgeschlagenen
Fortbewegungsmittel in den Vordergrund gerückt. Bei einer
näheren Betrachtung zeigt es sich, dass diese Argumente oft
vorgeschoben werden, um tiefere Motivationen zur Benützung
bestimmter Fahrzeuge zu kaschieren. Das Wissen über Komfort
und Leistungsfähigkeit von unkonventionellen Verkehrsmitteln
ist bei unseren InterviewpartnerInnen grösstenteils gering,
obschon wir eine typischerweise gut informierte Berufsgruppe befragt
haben. Das technische wie auch das soziale Image von elektrisch
betriebenen Fahrzeugen ist durch die Pioniere der Tour de Sol
geprägt, was dem Zustand vor bald zehn Jahren entspricht,
nicht aber zutreffend ist auf heutige Verkehrsmittel. Energien
werden sehr wohl qualitativ bewertet und unterschieden, was erstaunlicher
Weise keinen Einfluss auf den Energiebezug hat. Die Grössenordnungen
und Verteilsysteme von Energie, insbesondere von Elektrizität
werden kaum verstanden.
Es besteht ein Informationsbedarf, welcher sich auf rationale
und auf emotionale Information bezieht. Zu diesem Zweck wird eine
neue Fahrzeugklasse postuliert, die mit regionalen und erneuerbaren
Energiequellen verkehren kann. Diese Fahrzeuge mit regionalen
erneuerbaren Energien (FREE) sollen sich in Image, Fahrleistung,
Ladegeschwindigkeit, Preis und Energieverbrauch von elektrischen
Fahrzeugen der ersten Generation abheben.
Es wird eine Vernetzung von VertreterInnen aus unterschiedlichen
Bereichen von Wirtschaft und Politik vorgeschlagen, welche in
diese Richtung vorstossen kann. Private Benützerinnen und
Benützer von Individualverkehrsmitteln stehen für den
Umbau des Verkehrs- und Energiesystems im Zentrum, weil sie über
die Möglichkeiten und Potentiale verfügen, zu Fahrerinnen
und Fahrern von FREE zu werden.
Vorgehen und Aufbau der
Arbeit
Die naturwissenschaftlich-physischen Faktoren der Grundlagen für
RAVE stellen den Zustand der Erde und Szenarios für den weiteren
Verlauf desselben dar. Daraus wird ersichtlich, dass fundamentale
Gefahren für die heutige Gesellschaft bestehen, welche aus
dem Verhalten eben dieser Gesellschaft erwachsen. Diese Gefahren
werden in der Arbeit als Push-Faktoren aufgenommen und dargestellt:
Es gilt heute, die Zeichen zu lesen, Lösungen zu kreieren
und diese Lösungen umzusetzen und zwar auf globaler wie auf
regionaler, kommunaler und individuellen Ebene, von PolitikerInnen,
der Wirtschaft wie von den BürgerInnen.
Diesen Push-Faktoren, stehen Pull-Faktoren gegenüber. Sie
zeigen Möglichkeiten auf, in welche Richtung die Lösungsansätze
gehen könnten und mit welchen Effekten die Lösungen
zusammen hängen könnten. Dass diese Lösungen nicht
mit Opfern verbunden sind, sondern ganz im Gegenteil, mit Lustgewinn,
Erhöhung der Lebensqualität und des Wohlbefindens einher
gehen können und auch müssen, wird dann klar, wenn wir
uns bewusst werden, dass wir in einem demokratischen System leben
und uns in einer Marktwirtschaft bewegen. Nur durch die Information
und reife Entscheidung von KonsumentInnen und WählerInnen
können die Ansätze in konkrete Handlungen umgesetzt
werden.
Aus dem Zusammenzug von Push- und Pull-Faktoren, welcher uns die
Handlungsnotwendigkeit und die mögliche Richtung zeigt, werden
die Anforderungen an die Komponenten „Verkehr“, „Energie“ und
„Region“ deduktiv abgeleitet. Dadurch erhalten wir eine Grundlage
um die anschliessenden Berechnungen über die physische Machbarkeit
und die technischen Möglichkeiten präsentieren zu können.
Die grundsätzliche Frage, ob und wie die Energie für
das Verkehrssystem bereitgestellt werden kann, wird mit Berechnungen
von Produktions- und Einsparungs- bzw. Umlagerungspotenzialen
von Energie beantwortet. Die Resultate und die modellierten Verkehrs-
und Energiesysteme dienen ihrerseits als Grundlage für die
qualitative Erforschung der sozialen Akzeptanz und der Nachfrage
des Systems.
Die soziale Akzeptanz von regional autarken Verkehrs- und Energiesystemen
wird mit Leitfadeninterviews ergründet und bildet einen methodischen
und inhaltlichen Gegenpol zu den Berechnungen im ersten Teil der
Arbeit. Wir bedienen uns dem Instrumentarium der qualitativen
Sozialforschung um die Motivationen für die Benützung
bestimmter Fahrzeuge und die emotionale Bewertung unterschiedlicher
Formen von Energie zu erforschen. Wir suchen nach Schlüsselstellen
im Bewusstsein unserer ProbandInnen, welche die Wahl von Fahrzeug
und Energieform determinieren und mit Hilfe welcher dieses Verhalten
beeinflusst werden könnte. Als formales Merkmal rückt
hier der Text ins Zentrum.
Der Forschungsteil wird mit Expertengesprächen abgeschlossen,
welche, zusammen mit den Resultaten aus den Interviews und den
Berechnungen der technischen Machbarkeit zu einer Synthese verarbeitet
werden. Die Synthese macht uns klar, dass die Möglichkeiten
durchaus bestehen, in Bezug auf die Energieversorgung des motorisierten
Individualverkehrs Nachhaltigkeit zu erreichen und zwar in sehr
grossen wie auch sehr kleinen Massstäben. Der Umbau des Verkehrs-
und Energiesystems wird allerdings kaum von selbst erfolgen. Auf
mögliche Handlungsfelder wird anschliessend an die Synthese
eingegangen, im vollen Bewusstsein, dass die Ausarbeitung konkreter
Handlungsinstrumente und deren Einsatz den Umfang dieser Arbeit
sprengt. Damit kann die vorliegende Arbeit nur die Grundlagen
liefern für die Berechtigung und Realisierbarkeit von regional
autarken Verkehrs- und Energiesystemen und ein Instrument für
den weiteren Vortrieb der Gesellschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.
Die Verantwortung und die Kompetenz für den Umbau des Verkehrssystems
vom fossilen zum nachhaltigen wird auf Privatpersonen, Firmen,
politische Körperschaften und den Staat, also auf sämtliche
Ebenen der Gesellschaft verteilt. Es gilt im Weiteren, Trägerschaften
zu finden, die bereit, motiviert und fähig sind, die Verantwortung
wahrzunehmen, welche uns die Demokratie in die Hand gibt: unsere
gemeinsame Zukunft gemeinsam zu ermöglichen.
Persönliche
Hintergründe des Autors / Erkenntnisleitende Interessen
Vögel, die ihre Kreise in die Luft drehen oder akrobatische
Figuren in den Wind werfen, Delphine, die sich von der Dynamik
des Wassers am Schiffsbug oder in der Brandung tragen lassen,
verspielt, elegant, geschickt und selbstverständlich die
Kraft der Elemente nutzend. Auch Massenverschiebungen, wie rollende
Steine oder donnernde Lawinen, Flussläufe, Wasserfälle,
starke Winde und rauhe See oder chemische Phänomene wie das
Feuer, faszinieren uns, können uns für Stunden bannen,
schauend dazusitzen, zu bewundern.
Wir versuchen immer wieder von neuem, diese Naturkräfte,
die uns in ihrem Phänomen derart faszinieren, auf uns selbst
wirken zu lassen oder sie technisch zu nutzen. Auf allen möglichen
Brettern gleiten wir Winter für Winter über verschneite
Hänge, lassen uns von der Schwerkraft gegen den Erdmittelpunkt
reissen und geniessen es, den freien Fall ins Tal mit Kurven und
Sprüngen zu kontrollieren, die Grenzen herauszufühlen
zwischen Beherrschung von Material und beherrscht sein von der
Geschwindigkeit, überwältigt werden von der Schwerkraft.
Flügel, die immer leichter werden, tragen uns im Sommer durch
die Lüfte. Die Alpen lassen sich überqueren, angetrieben
von der sonnengewärmten Luft, die durch die Atmosphäre
aufsteigt und sich auffinden lässt, zum Aufstieg nutzen lässt,
den Auftrieb spendet für die nächste Talquerung oder
nur dafür, für Stunden über dem Startplatz zu kreisen,
zu spielen. Wir reiten auf den Wellen und fliegen regelrecht auf
Surfbretter über Seen und Meere, in beeindruckenden Geschwindigkeiten
und doch nur auf dem Brett stehend, das Segel haltend. Der Wind,
die Wellen, Erdanziehungskraft und Thermik bilden dabei Multiplikatoren,
die unsere Möglichkeiten der Bewegung in der Fortbewegung
beschleunigen, vervielfachen.
Es liegen Suchtpotentiale in den genannten Fortbewegungsarten,
Suchtpotentiale darin, die körperlich beschränkten Möglichkeiten
durch die Nutzung zusätzlicher Kraft- und Energiequellen
zu vergrössern. Tun wir das in unserer Freizeit, des Lustgewinns
wegen, tendieren wir dazu, die Kräfte direkt und ungefiltert
zu nutzen. Die Unberechenbarkeit der rohen Elemente, beziehungsweise
deren Kennenlernen und die möglichst grosse Beherrschung
der Kräfte, ist Teil der Faszination. Wenn wir eine entsprechende
Verstärkung unserer selbst im Alltag brauchen, sei es, weil
wir in kurzer Zeit eine grosse Strecke zurücklegen oder Waren
von einem Ort an den nächsten transportieren müssen,
bedienen wir uns vorwiegend sekundärer Energien, solchen
die gezähmt wurden und verpackt, dosierbar und leicht zu
verwenden sind.
Der Vorgang der Kontrolle, der Beherrschung oder der Zähmung
der Primärenergie ist aus diesem Grund längst technisiert
und kommerzialisiert worden. Turbinen wandeln die potentielle
Energie des Wassers und die kinetische des Windes in Elektrizität
um, Sonnenenergie die in Biomasse gespeichert ist, wird in Form
von Fossilien wie Kohle und Öl aus den Tiefen der Erde gepumpt
und gebaggert oder in purer Form zur Erwärmung von Räumen
und Brauchwasser eingespannt. Zivilisationsabfälle werden
vergärt, sodass die eingelagerte Energie in Form von Biogas
weiterverwendet werden kann.
Wenn wir uns auf den Transport von Menschen und kleinen Gütern
auf der Strasse konzentrieren, wird die Nutzung von aktuellen
Kräften, wie der gegenwärtige Sonnenschein, die Bewegung
der Luft und das Fliessen des Wassers als Energiequellen vernachlässigbar
klein. Vielmehr verwenden wir fast ausschliesslich die in Biomasse
gespeicherte und über Jahrmillionen verdichtete Energie von
Erdöl und damit verwandten Produkten.
Seit bald dreissig Jahren ist das Wissen vorhanden, dass die Verbrennung
der genannten Fossilien einerseits Probleme für den Menschen
und seine sogenannte Umwelt mit sich bringt, anderseits ein absehbares
und datierbares Ende hat. Fossilien regenerieren sich in Zeitspannen,
die für das menschliche Verständnis schlicht zu gross
und nicht erfassbar sind. Trotz dieses Wissens haben über
Jahrzehnte keine Anzeichen dafür bestanden, dass die Nutzung
fossiler Energieträger vermindert oder substituiert würde.
Mit der Diskussion um das Waldsterben rückte Mitte der Achtziger
Jahre das Wissen um die negativen Auswirkungen der Verbrennung
von Fossilien in das Bewusstsein einer breiten Bevölkerungsschicht.
Insbesondere in der gebirgigen Schweiz, wo der Wald für viele
Siedlungen eine Schutzfunktion ausübt, die er aber immer
wieder nicht befriedigend erfüllen kann, wurde der Handlungsdruck
stärker. Es war die Politik, die darauf reagierte und die
Industrie dazu zwang, mit technischen Lösungen den Ausstoss
von Luftschadstoffen zu reduzieren. Die Massnahmen betrafen Hausfeuerung,
Produktion und den Verkehr. Im letzten Bereich wurde ein Katalysatorobligatorium
durchgesetzt, das sich positiv auf den Ausstoss (bzw. dessen Reduktion)
einer Reihe von Schadstoffen auswirkte.
Zu dieser Zeit hing der Autor sehr oft in den Lüften, mit
dem eben entdeckten Gleitschirm seine Kreise ziehend. Für
ihn brachte die allgemeine Schwächung des Waldes seine durchaus
positiven Seiten mit sich: Ein gesunder Wald absorbiert eine grössere
Menge Sonnenenergie als ein kranker, der sie nicht photosynthetisch
umwandeln kann und sie deshalb zurück strahlt, also thermische
Aufwinde produziert. Die wegen ihrer Lage stark betroffenen bewaldeten
Gebiete um Flims konnten als Aufwindquellen genutzt werden, umsomehr
als sie teilweise durch gutbesonnte Felswände abgeschlossen
wurden. Der Autor nahm diese Tatsache mit gemischten Gefühlen
auf, spürte er doch auf der einen Seite die Faszination des
Spiels mit den Elementen und war durch seine wachsende Routine
und die laufende Entwicklung des Materials immer öfter dazu
bemächtigt, den Gleitschirm als Verkehrsmittel einzusetzen.
Auf der anderen Seite waren die Missstände, welche die günstigen
Flugverhältnisse erzeugten, zutiefst besorgniserregend. Es
stellte sich die Frage, weshalb sich diese Faszination lautloser
Fortbewegung nicht auf den Alltag anwenden liess.
Vielleicht war es die Diskussion um das Waldsterben, vielleicht
andere Dinge, die von Seiten der Ingenieure und der Autoindustrie
Abbildungen und technische Beschriebe von ‚Ökomobilen‘ in
die Presse brachte. Prototypen wurden herumgeboten, die unglaublich
leicht, schön und sicher waren, sich mit Sonnenkraft oder
purem Wasser fortbewegten. Allsömmerlich krochen die Solarmobile
der Tour de Sol durch die Schweiz, erklommen Alpenpässe und
Titelseiten der Tagespresse. Weiter als auf das geduldige Papier
im Sommerloch gelangte die Zukunftskarawane jedoch nicht.
Der Autor hat sich in der Zwischenzeit über längere
Zeit im Herzen der USA aufgehalten, in den Steppen von Wyoming.
Diese am Fuss der Rocky Mountains gelegenen Hügelzüge
bilden eines der reichsten und saubersten (da schwefelärmsten)
Abbaugebiete für Kohle. Gleichzeitig verfügen sie über
kontinentales und daher sehr sonniges Klima. Wyoming ist auch
dafür bekannt, dass es 365 Tage im Jahr windet, regelmässig
und kräftig. Es war ein prägendes Erlebnis, mit diesen
Gegensätzen zu leben. Gegensätze deshalb, weil die Kohle
rege abgebaut und in Kohlekraftwerken verstromt wird, dafür
aber Wind und Sonne ungenutzt über das Land strömen.
In den Neunziger Jahren wurde Tour de Sol eingestellt, weil die
Fahrzeuge nicht über das Prototypenstadium heraus entwickelt
werden konnten und sich keine Serienproduktion finanzieren liess.
Im Umweltschutz war der Wald inzwischen gestorben und das Ozon
kam auf. Nach dem Loch in der Stratosphäre, das durch FCKW
und andere Stoffe entsteht, wurde das Ozon in der Troposphäre
aktuell, das wir als Sommersmog oder L.A. Smog bezeichnen. Es
reizt Augen und Schleimhäute von Nichtautomobilisten, derweil
wer in einem Auto sitzt, zumeist veredelte Luft atmet, die einen
Ozonfilter passiert hat. Dieses troposphärische Ozon begleitete
den Autoren in ziemlich aufdringlicher Art und Weise auf einer
Alpentour per Fahrrad von Bern nach Wien im heissen Sommer 1995.
Die Grenzwerte waren während der ganzen Reisezeit überschritten,
die Augen quollen über. Als sekundärer Schadstoff ist
Ozon nicht unmittelbar an der Emissionsquelle (Auspuff) sondern
weiter davon entfernt zu suchen, weil es durch eine Reaktion von
NOX mit Sonnenlicht aufgebaut wird. Damit standen die Werte in
den Alpentälern jenen in den Städten keineswegs zurück.
Es war diese Reise, die mich zur Aktion ‚Roll against Ozone‘ motivierte,
die ich zusammen mit meinem Studienkollegen Marc Eyer durchgeführt
habe. Die Aktion bestand darin, mit einem aufsehenerregenden Lauf
auf Inline-Skates (Trendökomobil) eine Medienplattform zu
erstellen, die von anderen lautlosen, effizienten und abgasfreien
Fahrzeugen genutzt werden konnte. Die Aktion wurde von Medien,
Politik und Bevölkerung bestens aufgenommen und war diesbezüglich
ein voller Erfolg. Wo wir grössere Schwierigkeiten antrafen,
war bei der Mobilisierung anderer lautloser, effizienter und abgasfreier
Fahrzeuge. Viele der von uns angesprochenen Produzenten muteten
ihren Produkten die Tour de Force von Oslo bis nach Rom nicht
zu. Bei genauerem Hinsehen entpuppten sich einige der Fahrzeuge
als nicht fahrbare Modelle oder als nur mässig verkehrstaugliche
Einzelanfertigungen. Eine Palette von Fahrzeugen, die das Bild
der Strassen im nächsten Jahrhundert prägen, wie wir
es in unseren Unterlagen mutig beschrieben hatten, brachten wir
jedenfalls nicht auf die Strasse. Und doch haben wir ein Fahrzeug
kennengelernt, das uns von Basel bis nach Rom begleitete, welches
seinen Platz im Verkehrsgeschehen einnimmt. Es war das TWIKE,
welches sich nicht nur als zuverlässig und leistungsfähig
erwies, sondern auch von seiner Optik her sehr gut aufgenommen
wurde. Zudem ist es das sparsamste aller auf dem Markt erhältlichen
Fahrzeuge und derzeit das einzige geschlossene Fahrzeug in Produktion,
welches die Anforderungen an ein Leichtelektromobil erfüllt,
wie sie von den Forschenden im Umfeld der Tour de Sol festgehalten
worden sind.
Die Erfahrungen, die ich bei Roll against Ozone mit dem TWIKE
gemacht habe, erlaubten mir, weiterhin für die Firma TWIKE
AG zu arbeiten. In der Ausstellungssaison 1997 war ich Projektleiter
für die öffentlichen Präsentationen des Fahrzeugs
und arbeitete mit bei der Produktion neuer Drucksachen. Ab Herbst
1997 habe ich das Projekt TWIKE Bern geleitet, dessen Inhalt der
Aufbau eines TWIKE Kompetenzzentrums in Bern sowie die Mitarbeit
an Marketingkonzepten und der Festigung des gesamtschweizerischen
Vertriebs war. Im Bereich Marketing, in dem ich bis 1999 für
die TWIKE AG und anschliessend für die SwissLEM AG tätig
war, war für mich eine Produkterweiterung wichtig,
abzielend auf ein ganzheitliches Mobilitätskonzept, das über
das Fortbewegungsmittel hinaus dessen Vernetzung mit anderen Verkehrsmitteln
anstrebt, das die flächendeckende und nachhaltige Energieversorgung
der Fahrzeuge vorantreibt und die Integration der Frage um die
Energieherkunft einschliesst. Die letzten zwei Punkte werden für
die vorliegende Arbeit von besonderer Bedeutung sein, weil RAVE
eine mögliche Lösung dafür bieten kann.
Auf diesem Hintergrund ist das Modell eines Verkehrssystems gewachsen,
das eine regional autarke Energieversorgung aus regenerierbaren
Quellen proklamiert. Denn erst wenn dies der Fall ist, kann wirklich
von einer Nachhaltigkeit in einem Mobilitätssystem gesprochen
werden.
Sensibilisiert auf die Grenzen der Belastbarkeit des irdischen
Ökosystems durch das Studium der Geografie, wird hiermit
ein Verkehrs- und Energiesystem entworfen, das versucht, den Gesetzen
der Nachhaltigkeit Folge zu leisten. Zwischen den Thematiken des
Geografiestudiums und meinen Erfahrungen mit Fahrzeugen wird ein
Verkehrs- und Energiesystem skizziert, das mit dem Einsatz von
Technologien mit grosser Energieeffizienz und der Gewinnung von
Energie aus regenerierbaren Quellen einen geschlossenen regionalen
Kreislauf anstrebt. Durch die Koppelung von Verkehr und Energie
werden die Zusammenhänge transparent dargestellt.
Die skizzierten Anwendungsbeispiele bewegen sich zwischen dem
Einpersonenhaushalt und dem Grossbetrieb mit einer Vielzahl von
Fahrzeugen. Das System lässt sich auf kommunale, kantonale
oder gar kontinentale Massstäbe ausweiten.
Die Grundlage der Arbeit beruht auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen
der letzten Jahre. Dabei werden zwei Forschungsrichtungen betrachtet,
die sich gegenseitig unterstützen. Auf der einen Seite befasse
ich mich mit der Anwendung von technischen Lösungen, die
eine Steigerung der Ressourceneffizienz um über hundert Prozent
mit sich bringen. Auf der anderen Seite werde ich beeinflusst
von den Papieren des Club of Rome, welche die Grenzen des Wachstums
aufzeigen und ich zitiere das Intergovermental Panel of Climate
Change, das vor den Folgen eines Klimawandels warnt. Ich zitiere
Resultate des Umweltgipfels von 1992 in Rio, der uns verschiedene
Aufgaben für das kommende 21. Jahrhundert stellt. Das Resultat
der Arbeit soll nebst seinem wissenschaftlichen Inhalt auch ein
Handlungsinstrument für BenützerInnen und AnbieterInnen
von energieeffizienten Technologien bieten.